“Von Wein und wilden Mannen”

Ein Streifzug durch die Welt der Sagen und Legenden. Dieser Beitrag widmet sich den Geschichten im «Terra plana»- Gebiet, die von Generation zu Generation weitererzählt worden sind. Es ist ein Streifzug durch die Welt der Sagen und Legenden, in Theorie und Praxis. Ergänzend dazu haben sich Mitglieder der Gruppe Literatur im Sarganserland zu modernen sagenhaften Geschichten inspirieren lassen, die – farbig hinterlegt – den Beitrag im Anschluss bereichern.

… Nicht nur Mütter und Feen sind mächtige Beschützer der Natur: Auch die Wildmannen und die Wildfrauen, die über die Wälder des Sarganserlandes, von Graubünden und des Montafons herrschen, tun das ihre. Ist man ihnen gut, so lassen sie gar Kohle zu Gold werden. Wie es etwa die wilden Frauen von Cavardiras bei Disentis in Graubünden es einem Menschenkind angedeihen liessen, das ihnen in der seltenen Not in ihren entlegenen Felshöhlen zu Hilfe eilte. Tut man ihnen aber Böses, so fordern sie schelmisch und zuweilen auch grausam ihren Tribut. So geschehen etwa im Bündnerischen Klosters, wo einst ein wilder Mann im Doggiloch einen allzu gierigen Bauern um Haus und Hof brachte. In Sargans aber wissen bereits die Kinder, dass dem Totenvolk, Öl auf Leinwand von Patrick Devonas. Rat der wilden Zwergmannen Folge zu leisten ist: Denn in jenen Tagen, wenn die Trauben auf die Reife zugehen, ist die Zeit des unschuldigen und kindlichen Genusses zu Ende. Dann nämlich hocken die kleinen Wilden in den Reben und zwicken den räuberischen Naschkatzen die Finger ab, wann immer sie den edlen Gewächsen zu nahe kommen.

Bild: Der sagenumwobene Walende. © Spinnerei Murg.
Text: Andrin Schütz und Gruppe Literatur im Sarganserland
für Terra Plana, 4/2019: S. 17-28.
www.alpensagen.ch und www.literatur-im-sarganserland.ch
https://www.sarganserlaender.ch

 

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